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The show must go on – die Musikbranche in der Corona-Krise

Quelle: RauteMusik

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Name: Timo
Alter: 32
Wohnort: Frankfurt am Main

The show must go on – die Musikbranche in der Corona-Krise



Mit Corona stehen Gesellschaft und Kultur vor neuen Herausforderungen, doch trotz aller Schwierigkeiten, ist wie immer auf eines Verlass: Die Musik. 
Beschreibend für dieses Jahr sind mitunter die zahlreichen Musiker, die ihren Balkon oder ihre Fenster nutzten, um ihren Nachbarn eine Freude zu machen und für ein Gefühl des Zusammenhalts zu sorgen. Musik ist Teil jeder Kultur und beeinflusst uns positiv - egal ob wir stillhalten oder mittanzen.
 Musik war für viele ein Mittel, die Tage zuhause zu überstehen und so manches Überraschungsalbum sorgte für gute Laune im tristen neuen Alltag.

Alles neu



Dennoch wird 2020 auch als das Jahr der abgesagten Konzerte und Festivals in die Geschichte eingehen. Zahlreiche Künstler stehen plötzlich vor riesigen Verlusten, mit abgesagten Tourneen und Live-Gigs. Somit gehört der Musiksektor zu einer der Branchen, die am schwersten getroffen wurden. Wir hören zwar statistisch gesehen mehr Musik aber ein Löwenanteil des Einkommens wird durch Live-Auftritte generiert. Laut Bayerischem Rundfunk, rechnen die deutschen Musikverbände mit einem Verlust von über 5,4 Milliarden Euro. Aber: Not macht erfinderisch und zahlreiche Künstler greifen zu neuen Methoden, die die Musik-Industrie nachhaltig verändern könnten. Die Show muss weitergehen!

Ein Motto ganz in Alligatoahs Sinne. Der Deutsch-Rapper und Produzent spielte für seine Fans trotz Corona. Das Konzept: Ein Konzert im Auto-Kino Format. So gelang es dem Künstler, eine einmalige Verbindung zwischen den Fans im Auto und der Show auf der Bühne zu erschaffen. Zu beobachten war eine Stimmung, die von einem normalen Konzert kaum noch zu unterscheiden ist - mit Lichthupe, statt Applaus. Zahlreiche Künstler folgen diesem Modell, von Scooter bis Revolverheld, das Auto-Konzert bietet vielleicht doch noch die Rettung für den Festival-Sommer 2020 - nur eben anders und besonders.

Krisen als Inspiration



Neue Situationen und Krisen sind oft auch eine Quelle der Inspiration. So überraschten uns zahlreiche Künstler mit der vorzeitigen Veröffentlichung bereits angekündigter Alben oder völlig unerwarteten Produktionen. Musik ist für viele auch Mittel der Verarbeitung und so begeisterten uns die 21 Pilots mit ihrem neuen standalone Song "Level of Concern" - ein Aufruf zur Hoffnung in schwierigen Zeiten. Mit einem Appell an die Dankbarkeit und Solidarität überraschte uns auch Sia mit ihrem Song "Saved my Life", aus der Feder von Sängerin Dua Lipa. Dua Lipa selbst nutzt vor allem Youtube als neue Plattform für ihre Musik.

Charity Songs, wie Two Door Cinema Clubs John Lennon-Cover "Isolation", sind ein Geschenk in doppelter Hinsicht, für die Fans wie auch als Spendenaktion für relevante Zwecke. Drake überraschte seine Fans Anfang Mai mit dem Mixtape "Dark Lane Demo Tapes" - ebenfalls unangekündigt. Die Krise bietet neue Risiken aber auch Möglichkeiten, so stand die Frage "veröffentlichen oder verschieben?" für viele Künstler/innen im Fokus.



Lady Gaga entschied sich ebenfalls ihr neues Album "Chromatica" während, statt nach der Krise zu veröffentlichen. Charli XCX veröffentlichte ihr neues Album mit dem passenden Titel "how I feel now" und einem Cover welches zur derzeitigen Lage nicht besser passen könnte. Zu sehen ist die Sängerin in ihrem Bett, ungestyled mit einer Kamera. Auf Twitter teilte sie ihren Fans mit, dass sie die Isolation nutzen wollte um ein völlig neues Album aus dem Nichts und mit denen ihr zur Verfügung stehenden Mittel, zu erschaffen.



One Republic's neues Album "Human" wird ebenfalls zahlreiche Lieder mit Referenz zu Covid-19 enthalten - so wie der schon veröffentlichte Song "Better Days" begleitet von einem Video bestehend aus Zusammenschnitten aus Fan-Material. 
Pop-Ikone Pitbull macht uns ebenfalls Hoffnung mit seinem neuen Lied "I believe we will win" und den treffenden Zeilen "You know what spreads faster than any virus/Is fear" (Weißt du was sich schneller verbreitet als jeder Virus? /Die Angst). 

Es mag fast so aussehen, als wenn diese Krise für mehr, statt weniger neue Musik gesorgt hätte - mit der neuen Situation als treibende Kraft für neue Inhalte und Inspiration für völlig neue Musik in neuen Settings.

Die Charity-Single "One World: Together at Home" mit Beitrag von Ellie Goulding, Bastille, Chris Martin, Sean Paul und vielen anderen Künstlern, wurde genau auf dieser Basis geschaffen. Der Charity-Song trägt die Message, dass die Kraft der Musik scheinbar unüberwindbare Hindernisse und Hoffnungslosigkeit überwinden kann. Einnahmen des Songs gehen an zahlreiche Organisationen zur Bekämpfung des Virus.

Minimalismus

Interessant ist auch, wie die zahlreichen Künstler- und Künstlerinnen Wege fanden, ihre Lieder trotz Isolation und Lockdown aufzunehmen und zu produzieren. Viele bastelten sich selbst Aufnahmestudios im eigenen Heim, was den Liedern noch mehr Bedeutung verleiht und auch in Zukunft die Geschichte von Kreativität und Solidarität aus der Krise erzählt. Dieses völlig neue, vom Virus geprägte Schaffen fängt die Situation so gut ein, wie kaum etwas anderes. Von Fotoshootings in den eigenen vier Wänden, bis hin zum Youtube-Livestream als Ersatz für die Liveshow mit Kostümen und Pyrotechnik - Dank des Internets gibt es fast unbegrenzte Möglichkeiten weiterzumachen und das trotz Krise.

Unerwartete Erfolgshits



Doch wie entsteht ein solcher Nummer-Eins-Hit? Schlüssel zum Erfolg vieler neuer Chartstürmer ist der Inhalt: Fans finden sich in den Zeilen über das Gefühl der Isolation wieder und schöpfen Hoffnung aus den zahlreichen Liedern, die zu mehr Hoffnung aufrufen. Ein guter Beat, kombiniert mit einem Text, der den Zeitgeist reflektiert, hat in diesen Tagen gute Chancen, Chartstürmer zu werden. Die Geschmäcker sind unterschiedlich und jeder hat seine eigenen persönlichen Lieblingshits, ob sie nun die Stimmung ausdrücken oder unterhalten.


Auch Clubhits und Musik mit treibendem Beat und wenig Text geben einem die Möglichkeit kurz abzuschalten und vielleicht einfach abzutanzen - wenn auch zuhause, statt auf dem Festival!



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