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Judo – mehr als nur Verteidigung

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Judo – mehr als nur Verteidigung



Während der 80er-Jahre war Judo so beliebt, wie kaum eine andere Kampfsportart. In den vergangenen Jahren bekam der Sport jedoch starke Konkurrenz, was aber nicht bedeutet, dass es wenige Judokas gibt. Was auch gar nicht geht. Denn kampftechnisch betrachtet ist Judo nicht nur eine eigene Sportart, sie ist auch die Sportart, die längst zu einem festen Element in anderen Kampfkünsten geworden ist. Nur gilt auch bei Judo, dass der Sport nicht nur unter dem Aspekt »Kampf« betrachtet werden darf. Asiatische Künste beinhaltet stets eine tiefe Philosophie, die einen großen Teil der Begeisterung ausmacht und die einen Rahmen für das alltägliche Leben gibt. Dieser Artikel beleuchtet Judo mal ein wenig tief

Die Philosophie

Viele Menschen bringen Judo nur mit den Würfen und denen im Wettkampf gezeigten Bewegungen in Verbindung. Im Grunde ist das Judo, welches heute öffentlich gezeigt wird, auch nicht mehr der Sport, der damals in Japan entstand. Denn die Wettkampfsportart verzichtet auf die einstig gefährlichen Techniken zur Selbstverteidigung. Geblieben ist eine Selbstverteidigung, die den Körper ganzheitlich stärkt. Heute besteht Judo aus Halte- und Würgetechniken, Armhebeln und Würfen. Das besagt aber nur das, was wir sehen. Denn hinter dem Sport verbirgt sich eine Philosophie: Siegen durch Nachgeben. Der Sport kann helfen, die eigene Persönlichkeit zu verbessern und weiterzuentwickeln. Einige Prinzipien sind besonders wichtig:

Ji-Ta-Kyo-Ei - das ist der moralische Aspekt des Judo. Durch den Leitsatz wird der Zweikampf in den Hintergrund gestellt und eine Erziehungsbasis geschaffen. »Gegenseitiges Helfen und Verstehen« gehört dazu. Der Partner soll nicht als reiner Übungspartner verstanden werden, sondern ein respektvolles Gegenüber, für das man Verantwortung trägt. Während des Sports ist jeder für seinen Partner verantwortlich, muss auf ihn achtgeben und ihn nicht nur dazu nutzen, sich selbst zu verbessern, sondern ihm ebenfalls helfen, besser zu werden.

- Sei-Ryoku-Zen-Yo - das ist die technische Seite. Sie beschreibt, wie die einzelnen Techniken auszuführen sind, aber auch, wie sich jeder im Kampf verhalten sollte. Es wird »Siegen durch Nachgeben« gelehrt.

In einem guten Dojo wird also kein reiner Fokus auf den sportlichen Aspekt des Judo gelegt, sondern die Philosophie hinter dem Sport mit vermittelt. Und das funktioniert in allen Alters- und Leistungsgruppen. Kräftige und erfahrene Judokas achten im Training mit Schwächeren auf deren Wohlergehen, hinterfragen sich selbst, wie weit sie gehen können, und passen ihr Handeln dem Schwächeren an. Diese hingegen lehren den Stärkeren Achtsamkeit und Rücksichtnahme. Grundsätzlich ist Judo übrigens ein Sport für alle Altersgruppen. Selbst Senioren können noch Judo lernen, denn durch die »Nachgeben-Strategie« ist es sogar körperlich eingeschränkten Personen möglich, sich selbst gesund erhaltend zu bewegen und zu verteidigen. Hier können Interessierte mehr über die beliebte Sportart erfahren und sich ein detailliertes Bild machen.

Welche Kampfelemente sind der Schwerpunkt?

»Im Judo wird geworfen.« Das ist vermutlich der Satz, mit dem viele Menschen Judo beschreiben. Nur, wie kann es dann sein, dass zierliche Personen mühelos wesentlich größere Gegner zu Fall bringen? Natürlich besteht Judo nicht rein aus Würfen, sondern aus einem Zusammenspiel an Techniken:

- Armhebel - Heben sind ein wunderbares Mittel zur Selbstverteidigung, denn mit ihnen ist es möglich, auch den schwersten Brocken aus der Balance zu bringen. Ein guter Hebel verletzt den Gegner nicht, ist aber unangenehm genug, damit er von seinem Tun ablässt.

- Haltetechniken - es genügt nicht, einen Gegner zu Fall zu bringen, er muss auf dem Boden fixiert werden. Die Fixierung kann dazu dienen, den Gegner zum Aufgeben zu bringen oder aber, um ihn so lange festzuhalten, bis Hilfe kommt. Hierzu werden die Haltetechniken genutzt, die teils mit Hebeltechniken verbunden werden.

- Würgetechniken - es gibt zwei Varianten, allerdings kommen im Judo (und anderen Kampfsportarten) nur Blutwürger vor, da hier eine geringere Verletzungsgefahr besteht.

- Würfe - die Wurftechniken sind das bekannteste Bild es Judo. Sie können einzeln oder als Kombination angewandt werden.

Gibt es verwandte Kampfsportarten?

Judo selbst stammt von der Kampfsportart Jiu-Jitsu ab. Diese wird zwar als sanfte Kunst beschrieben, ist aber bei Weitem nicht so nachgiebig, wie Judo. Als sich Japan dem Westen öffnete, gerieten die Kampfkünste beinahe in Vergessenheit. Ein großer Schüler des Jiu-Jitsu eröffnete daraufhin seine eigene Schule und wollte hier die Prinzipien der Kunst lehren - das Judo entstand. Heute, in der modernen Zeit und ihren vielfältigen Kampfsportarten, gibt es so viele Künste, die auf das Judo zurückgehen oder schlichtweg Elemente der Kampfkunst übernommen haben:

- Kun-Tai-Ko - diese Kampfsportart greift auf diverse Kampfsportstile zurück und vereint Karate, Jiu-Jitsu, Kickboxen, Judo und verknüpft sie mit Einschritttechniken und Selbstverteidigung. Bereits zur ersten Graduierung müssen Sportler Hebel, einen Wurf und Haltetechniken zeigen.

- Kobudo - die Kampfkunst mit den ehemaligen Bauernwaffen greift ebenfalls auf Judo bzw. Jiu-Jitsu zurück. Wenn hier auch Waffen im Spiel sind, so wird für die Verteidigung häufig auf Judotechniken gesetzt.

- Mixed Martial Arts - wie der Name schon vermuten lässt, greift dieser Kampfsport auf etliche Künste zurück. Hier geht es jedoch weniger um die Philosophie als um den Kampf.

Letztendlich darf die reine Selbstverteidigung nicht vergessen werden. In guten Selbstverteidigungskursen wird ebenfalls nicht zwischen einzelnen Sportarten unterschieden, denn am Ende geht es nur um eines: um die richtige Technik in der passenden Situation. Und Judo kann sogar massiv zur Abwehr einer alltäglichen Gefahr genutzt werden. Da der Sport auf Würfe setzt, ist stets die Fallschule inkludiert. In jeder Altersgruppe ist es ein Trumpf zu wissen, wie man korrekt fällt, da Verletzungen so deutlich verringert oder auch vermieden werden können.

 

Abbildung: Wurftechnischen spielen beim Judo eine wichtige Rolle. Quelle: quangduc (CC0-Lizenz) / pixabay.com

Fazit - eine sportliche Philosophie

Einfach mal das Judo auszuprobieren, ist eine gute Idee. Die Hintergründe und Denkmuster des Sports sind interessant und helfen der eigenen Persönlichkeitsbildung ungemein weiter. Im Alltag ist Judo einfach nur ein praktischer Helfer, denn fällt ein Judoka, fängt er sich wesentlich gesünder ab, als ungeübte Personen. Doch auch der Zusammenhalt untereinander darf nicht vernachlässigt werden. Kampfsportler unterstützen sich gegenseitig, halten zusammen und helfen sich gegenseitig, besser zu werden - und das häufig nicht nur im Dojo.



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