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Sportwettenbranche: Pionierarbeit ist kein Garant für ewige Marktführerschaft



Jahrelang war der österreichische Wettanbieter Bwin marktführend im Bereich der Online Sportwetten. Der frühe Einstieg in die Branche 1997 sowie Fusionen und Übernahmen machten Bwin über Jahre hinweg zum Marktführer. Doch die Konkurrenz wurde immer größer, weil immer mehr Wettanbieter auf den Markt drängten. Entgegen dem Branchenwachstum gingen die Umsätze zurück und Verluste im Pokergeschäft machten Bwin zu schaffen. 2015 wurde der Wettanbieter selbst von der GVC Holding übernommen und war nur noch ein Sportwettenanbieter unter vielen.

Natürlich ist Bwin auch heute noch ein klangvoller Name. Die jahrelange Präsenz des Logos auf den Trikots von Real Madrid oder den Banden im Stadion von Bayern München hat dafür gesorgt, dass sich Bwin als Europas führende Marke für Sportwetten etablieren konnte.

Gerade Neueinsteiger landen aufgrund des hohen Bekanntheitsgrades meist zuerst bei Bwin. Dabei sind gerade bei den Quoten andere Wettanbieter längst besser. Alternativen zu Bwin sind schon in den eigenen Reihen der GVC Holding zu finden. Mit Sportingbet hat das Unternehmen ein weiteres heißes Eisen im Markt für Sportwetten im Feuer.

Der Beginn der Sportwetten in Deutschland

Wetten auf Fußballspiele wurden schon kurz nach dem Krieg von den staatlichen Lottogesellschaften in Deutschland angeboten. Dabei gab es zwei verschiedene Möglichkeiten, auf den Ausgang von Fußballspielen zu tippen:

• Ergebniswette: Auf 13 ausgewählten und vorgegebenen Spielen kann mit 1 (Sieg der Heimmannschaft), X (Unentschieden) oder 2 (Sieg der Gastmannschaft) gewettet werden. Nur wer alle Spiele richtig voraussagt, erreicht die höchste Gewinnklasse.
• Auswahlwette: Entwickelte sich von „6 aus 36“ (bis 1962), über „6 aus 39“ (bis 1964) bis zu „6 aus 45“ (ab 1975). Dabei mussten aus 45 vorgegebenen Spielen die sechs torreichsten, unentschiedenen Begegnungen vorausgesagt werden.

Im internationalen Vergleich steht Deutschland mit dem Beginn von Fußballwetten allerdings nicht an der Spitze. In Großbritannien existiert Fußball-Toto bereits seit 1921. In Schweden bot die staatliche Lottogesellschaft ab 1934 Wetten auf Fußballspiele an.

Mit dem Beginn des Internets begann der Hype um Sportwetten

Der Beruf des Buchmachers kam erstmals Ende des 19. Jahrhunderts in England mit der Gründung des Wettanbieters Ladbrokes auf. Damals konnte nur vor Ort auf Pferde- und Hunderennen gewettet werden. Mit der Legalisierung von Wettgeschäften durch die britische Regierung ab 1961 konnte Ladbrokes eine Kette von Wettlokalen aufbauen. Heute ist Ladbrokes mit mehr als 2.700 Wettlokalen in England, Irland und Belgien der größte Buchmacher weltweit.

Anfang der 1980er Jahre trat Intertops mit dem Deutschen Detlef Train als Gründer in den Markt für Sportwetten ein. Sein Konzept war die Abgabe der Wetten per Briefpost und Telefon. Mit der Entstehung des Internets begann die Ära der Online-Wetten. Auch hier leistete Intertops Pionierarbeit und nahm 1996 die erste Online-Wette weltweit an.

In den 2000er Jahren drängten immer mehr Wettanbieter auf den Markt, insbesondere als reine Online-Wettanbieter. Heute sind allein in Europa bereits mehr als 300 Unternehmen in der Sportwettenbranche tätig. Die folgende Statistik zeigt, wie rasant sich die Wetteinsätze und Bruttospielerträge in den Jahren von 2004 bis 2012 entwickelt haben:

Die Wachstumsraten der Bruttospielerträge bei Online Sportwetten liegen über 10 Prozent im Jahr Statistik: Selbst die Finanzkrise der Jahre 2008 bis 2011 konnte die Entwicklung der Wetteinsätze nicht stoppen. Quelle: eigene Darstellung Statistik: Selbst die Finanzkrise der Jahre 2008 bis 2011 konnte die Entwicklung der Wetteinsätze nicht stoppen. Quelle: eigene Darstellung

Warum Sportwetten so beliebt sind

Die Branche hat es in einzigartiger Weise geschafft, neue Innovationen schnell zu integrieren. Nicht nur das Internet wurde dabei als optimaler Vertriebskanal erkannt. Mit der Einführung der Smartphones machten sich die Wettanbieter sofort Gedanken darüber, wie diese die Wettabgabe noch erleichtern können. Es wurden Apps entwickelt, die auch das Wetten von unterwegs ermöglichten.

Inzwischen sind die Betreiber von Wett-Portalen dazu übergegangen, ihre Webseiten auch für mobile Endgeräte zu optimieren, sodass Apps nicht mehr zwingend nötig sind. Die User müssen nur noch die Webseite mit dem Handy aufrufen und können das Angebot vollumfänglich nutzen. Dieses umfasst nicht nur Sportwetten, sondern auch Casinospiele, Poker und andere Glücksspiele.

Sonderstellung von Sportwetten unter den Glücksspielen

Ein weiterer Punkt, der wesentlich zur Beliebtheit von Sportwetten beiträgt, ist der Sonderstatus unter den Glücksspielen. Natürlich gehören auch Sportwetten zu den Glücksspielen. Aber bei keinem anderen Glücksspiel trägt Fachwissen so sehr zum Erfolg bei wie bei Sportwetten. Das Wissen um die sportliche Form von Mannschaften und Einzelsportlern kann hier Gold wert sein.

Weitere Faktoren, die das Ergebnis einer Sportwette beeinflussen können, sind:

Trainerwechsel

• Verletzte oder gesperrte Spieler

• Unterstützung der Zuschauer im Stadion

• Bei Live Wetten auch Ein- und Auswechselungen von Spielern

• Wettbewerb: existenzielle Spiele gegen den Abstieg in der nationalen Meisterschaft können mehr Kräfte mobilisieren als vergleichsweise „unbedeutende“ Spiele in der Champions oder Europa League

• Serien: mehrere Niederlagen in Folge oder das Spiel gegen einen Angstgegner können sich psychologisch negativ auf das Selbstbewusstsein der Spieler auswirken.

Fazit

An der Beliebtheit von Sportwetten wird sich auch in den nächsten Jahren kaum etwas ändern. Sportwetten sind mittlerweile Volkssport Nummer 1 in Deutschland. Einen weiteren Schub wird es im Sommer 2018 geben, wenn in Russland die Fußball-Weltmeisterschaft ansteht. Bei solchen Großereignissen geben auch mal passionierte Nicht-Wetter einen Tipp ab.



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