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Die USA hat einen neuen Feind

Ein politischer Kommentar



Nach dem Tod von Osama Bin Laden ist die USA auf der Suche nach einer neuen Sicherheitsdoktrin. Konventionelle Bedrohungen, wie böse Terroristen, scheinen außen vor - der nächste Kriegsschauplatz ist für die Amerikaner das Internet.

Legt ein Hacker-Angriff wichtige Infrastrukturen lahm und würde damit sogar Menschenleben gefährden, berechtigt dies die US-Armee, einen Vergeltungsanschlag zu starten. Nicht etwa mit gleichen Mitteln, sondern mit herkömmlichen Kriegswaffen. Dies legt eine neue Richtlinie des Pentagons fest - Kritiker schlagen Alarm und warnen vor möglichen Überreaktionen.

Gegenüber dem "Wallstreet Journal" gab ein Sprecher des Pentagons zu Protokoll, dass mögliche Angreifer, die eine Sabotage der amerikanischen Stromnetze beabsichtigen, künftig "mit Raketen im Schornstein rechnen müssen". Die Antwort auf Hacker-Angriffe, Viren und Trojaner sollen künftig also ganz konventionelle Methoden der Kriegsführung sein. Der sogenannte Cyberwar soll nicht mehr virtuell sondern im richtigen Leben ausgetragen werden.

Neue Strategie

Das alles ist allerdings nur ein kleiner Vorgeschmack auf eine neue Strategie der US-Regierung unter der Regierungsverantwortung des Friedensnobelpreisträger Barack Obama, der zur Konfliktbewältigung die aktive Kriegsführung zu befürworten scheint. Formale Regeln zum Umgang mit Internetangriffen werden derzeit vom amerikanischen Verteidigungsministerium entworfen. Die Cyberdoktrin soll schon sehr bald in Kraft treten - und damit auch ein neues Feindbild. 30 Seiten umfasst die "Strategie", ein Teil davon soll noch im Juni veröffentlicht werden. Kernbestandteil dieses Plans ist es, mit Waffengewalt zurückzuschlagen, sobald durch einen Internetangriff die Energieversorgung gestört wird und dadurch Menschenleben, beispielsweise in Krankenhäusern, gefährdet werden.

Wie das Pentagon weiter angibt, versuchen regelmäßig rund 100 ausländische Geheimdienste in amerikanische Rechnernetze einzudringen. Die meisten Angriffe hätten allerdings bislang nicht das gezielte Töten von Menschen zur Absicht gehabt, sondern vielmehr die Beschaffung geheimer Informationen. Angeblich sollen die Angreifer sogar dazu in der Lage sein, das komplette Kommunikationsnetz der Amerikaner zum Erliegen zu bringen. Da darf jedoch die dezente Frage erlaubt sein, wieso die USA nicht einfach ihre Netzwerke besser vor dem Zugriff von Außen zu schützen versuchen. Prävention sollte eine bessere Antwort als ein "kalter Cyberkrieg" mit Atom-U-Booten sein.

Quelle: Spiegel.de

Bild:
(cc-by-sa) Patrickneil / Wikipedia.org



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